Amnesty International Menschenrechte in Lateinamerika

Impressum | Login

Menschenrechte in Lateinamerika

StartseiteUnsereGruppeMexiko

BEISPIEL: MENSCHENRECHTSVERTEIDIGER IN MEXICO

Menschenrechtsverteidiger (Human Rights Defenders, HRD) sind Personen, die sich für die (Menschen-)Rechte anderer Menschen einsetzen und für deren Durchsetzung eintreten. Oftmals sind es Anwälte, die in Menschenrechtsorganisationen arbeiten, Gewerkschafter oder andere Berufsgruppen. Journalisten, die sich mit Menschenrechtsverletzungen beschäftigen oder über Korruption und Organisierte Kriminalität berichten, zählen ebenfalls zu einer besonders gefährdeten Berufsgruppe.

Beerdigung Menschenrechtsverteidiger

Menschenrechtsverteidiger werden aufgrund ihrer Tätigkeit bedroht, eingeschüchtert und verfolgt. Außerdem werden sie an ihren Recherchen gehindert und erhalten häufig Morddrohungen. Dabei ist ihre Arbeit rechtens, sie wird ausdrücklich in der Erklärung der UNO über den Schutz von HRD vom 9.12.1998 erwähnt. Dabei sollen ihre Aktivitäten als solche sowie das Recht, diese Aktivitäten ohne Einschränkungen oder Angst vor Repressalien auszuüben, anerkannt werden. MenschenrechtlerInnen in Mexiko müssen Drohungen, Angriffe, politisch motivierte Anklagen und Inhaftierung fürchten, wenn sie Proteste organisieren oder für die Achtung der Menschenrechte eintreten. Die Regierung hat der Forderung der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte zugestimmt, Schutzmaßnahmen für mehrere MenschenrechtlerInnen zu ergreifen, aber einige von ihnen berichten, sie hätten keinen ausreichenden Schutz erhalten. Zu gründlichen Untersuchungen der Menschenrechtsverletzungen gegen die MenschenrechtlerInnen ist es noch nicht gekommen, die TäterInnen genießen in diesen Fällen im Allgemeinen Straffreiheit und somit besteht die Gefahr neuer Angriffe. Seit Anfang 2007 hat Amnesty International in Eilaktionen wiederholt zum Schutz mexikanischer Journalisten aufgerufen.

ABEL BARRERA

Abel Barrera, Gründer der Menschenrechtszentrum Tlachinollan, kämpft seit Jahren für die Rechte der indigenen Völker im mexikanischen Bundesstaat Guerrero. Denn Indigene, etwa zehn Prozent der mexikanischen Bevölkerung, werden oft behandelt wie Menschen zweiter Klasse. Viele leben in extremer Armut, die Kinder müssen früh arbeiten und können nicht zur Schule gehen – ein Teufelskreis. Obwohl viele indigene Kleinbauern traditionelle Nahrungsmittel anbauen, breitet sich der Einfluss rivalisierender Drogenkartelle aus. Das Menschenrechtszentrum Tlachinollan recherchiert und dokumentiert die Überfälle. Unermüdlich dokumentiert Barrera Menschenrechtsverletzungen und bietet Rechtsbeistand und psychologische Betreuung für die Opfer. Abel Barrera und seine Kollegen bekommen Morddrohungen, werden immer wieder eingeschüchtert. Der Menschenrechtsverteidiger Abel Barrera Hernández und das von ihm gegründete Menschenrechtszentrum Tlachinollan erhielten am 27. Mai 2011 den 6. Menschenrechtspreis von Amnesty International in Deutschland. Die feierliche Verleihung des Preises fand beim "Fest für die Menschenrechte" zum 50. Jubiläum der Gründung der Menschenrechtsorganisation in Berlin statt.

SALOMÓN MONÁRREZ UND RICARDO MURILLO

Am 31. August 2009 wurde der Menschenrechtsverteidiger Salomón Monárrez Meraz von einem Unbekannten durch Schüsse verletzt. Amnesty International befürchtet, dass er und weitere MenschenrechtsverteidigerInnen im Bundesstaat Sinaloa in Lebensgefahr sind. Salomón Monárrez Meraz ist ein leitendes Mitglied der Frente Cívico Sinaloense (FCS), einer Menschenrechtsorganisation, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte im Bundesstaat Sinaloa in Mexiko einsetzt. Er hatte sich mehrfach öffentlich über die Menschenrechtsverletzungen in Sinaloa geäußert, insbesondere über Verstöße, die vom mexikanischen Militär begangen wurden. Amnesty International fürchtet, dass der jüngste Angriff auf Salomón Monárrez Meraz eine Vergeltungsmaßnahme für seine Menschenrechtsarbeit war. Am 5. September 2007 wurde Ricardo Murillo Monge, einer der Mitgründer der FCS, entführt. Seine Leiche, die einen Kopfschuss aufwies, wurde am nächsten Tag in einem verlassenen Auto in Culiacán im Bundesstaat Sinaloa gefunden. Ermittlungen zu diesem Mordfall führten zu keinem Ergebnis.

GUSTAVO DE LA ROSA HICKERSON

Der Menschenrechtsanwalt Gustavo de la Rosa Hickerson wurde aufgrund seiner Arbeit im Büro der Menschenrechtskommission im nördlichen Bundesstaat Chihuahua mit dem Tod bedroht. Gustavo de la Rosa Hickerson arbeitet seit April 2008 für das Büro der Comisión Estatal de Derechos Humanos (CEDH) in Ciudad Juárez. Er ist einer der wenigen Angestellten, die öffentlich eingestehen, dass es einen starken Anstieg der Meldungen über schwere Menschenrechtsverstöße in Ciudad Juárez gegeben hat, darunter auch Folter und außergerichtliche Hinrichtungen durch Sicherheitskräfte, die Polizeiaufgaben wahrnehmen. Die CEDH hat nur begrenzte Befugnisse, solche Beschwerden entgegenzunehmen, aber da andere Institutionen nicht reagiert haben, nimmt nun die CEDH in Ciudad Juárez diese Berichte entgegen. Sie kritisiert öffentlich Menschenrechtsverletzungen durch das Militär und drängt die Behörden zu einer Reaktion. Der örtliche Militärbefehlshaber hat dies scharf kritisiert. Der Vorsitzende der CEDH, die ihren Hauptsitz in der Stadt Chihuahua hat, wies Gustavo de la Rosa Hickerson an, keine Berichte mehr von Opfern mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen durch das Militär anzunehmen und wies dessen Bitte um Schutz zurück.

MERCEDES MURILLO MONGE

In den frühen Morgenstunden des 12. November klingelten mehr als 20 SoldatInnen an der Tür von Mercedes Murillo Monge, der Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisa-tion Frente Cívico Sinaloense (FCS). Als sie die Tür öffnete, bedrohten mindestens fünf SoldatInnen sie mit vorgehaltenen Waffen; weitere 20 standen entlang der Straße zu ihrem Haus. Die SoldatInnen gaben an, Identität und Adresse der Menschenrechtsverteidigerin überprüfen sowie Erkundigungen über ihre Familienangehörigen einholen zu müssen.

Candido Felix

Mercedes Murillo Monge hält das jedoch für einen Vorwand, um sie schikanieren zu können, da die SoldatInnen eine einfache Visitenkarte als gültiges Ausweisdokument akzeptierten. Wie die SoldatInnen erklärten, waren sie auf Befehl ihres Generals gekommen. In ihrer Funktion als Vorsitzende der FCS hat sich Mercedes Murillo Monge mehrfach zu Misshandlungen geäußert, die von mexikanischen SoldatInnen begangen wurden. Am 31. August verletzte ein maskierter Mann Salomón Monárrez Meraz, ebenfalls leitendes Mitglied der FCS, mit drei Schüssen. Salomón Monárrez Meraz befindet sich mittlerweile auf dem Wege der Besserung. Ricardo Murillo Monge, der Bruder von Mercedes Murillo Monge und ebenfalls Gründungsmitglied der FCS, wurde im September 2007 entführt und getötet. In beiden Fällen verliefen die Ermittlungen ergebnislos. Die Behörden haben den Mitgliedern der FCS keinerlei Schutzmaßnahmen angeboten.